Goldgräberstimmung im All

Geschichte der Satelliten

Vom “Sputnik-Schock” bis zum Internet aus dem All

Es herrscht Goldgräberstimmung im All. Waren es zu Beginn der Satellitenrevolution in den 1960er Jahren noch Supermächte und politische Systeme, die die ersten Satelliten ins Weltall schickten, sind es heute Unternehmen wie Airbus, Amazon und SpaceX, die Satelliten-Armadas in den Orbit katapultieren, um neue Geschäftsfelder mit den Daten aus dem All zu erschließen. 

1957: “Sputnik-Schock” erschüttert den Westen

Begonnen hat die Eroberung des Weltalls bereits vor über 60 Jahren. Am 4. Oktober 1957 schickte die damalige Sowjetunion den ersten künstlichen Satelliten “Sputnik 1” ins Weltall und leitete damit das Wettrennen im All zwischen Sowjetunion und den USA ein. Die 80 kg schwere Aluminiumkugel von der doppelten Größe eines Medizinballs umkreiste die Erde in 98 Minuten und übertrug mit ihren vier Antennen ein einfaches Signal von Russland an die Welt - ein politisches Statement zur damaligen Zeit des kalten Kriegs, das einen Aufschrei in den westlichen Nationen hervorrief. Drei Monate später verglühte “Sputnik 1” in der Atmosphäre und hatte somit seinen Dienst getan. Vier Monate nach dem damaligen “Sputnik-Schock” startete der amerikanische Satellit "Explorer 1" seine Reise ins All. 

USA entwickelt ersten Kommunikationssatelliten

Am 18. Dezember 1958, rund ein Jahr nach “Sputnik 1”, schickten die USA den ersten Kommunikationssatelliten ins All. Das streng geheime “Project Score” hatte vier Tonbandgeräte mit einer Nachricht des damaligen amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower an Bord, die bei der zweiten Erdumrundung abgespielt wurde. Obwohl nur wenige Hobby-Funker das schwache Signal damals live empfingen, galt “Project Score” als wegweisend für die Entwicklung der Satellitenkommunikation.

Erster TV-Satellit “Telstar” schickt Live-Bilder über den Atlantik

Seit den 1960er Jahren hat sich die Satellitentechnik rasant weiterentwickelt. Aus Tonbandgeräten am Himmel wurden Reflektoren, die Live-Signale senden und empfangen konnten. Satelliten wurden mit Solarmodulen zur Stromerzeugung ausgestattet. So konnten sie Signale klar und deutlich empfangen und weiterleiten. 

1962 wurde der erste kommerzielle Fernsehsatellit "Telstar" ins All geschickt und leitete damit das Zeitalter der weltweiten Telekommunikation ein. Durch das Gemeinschaftsprojekt des US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmens AT&T und der NASA konnten erstmals Fernsehbilder live zwischen Amerika und Europa über den Atlantik übertragen werden. 77 kg schwer und mit 3600 Solarzellen ausgestattet, sollte “Telstar” das Telefonieren zwischen alter und neuer Welt einfacher machen und die zunehmend überlasteten Überseekabel entlasten. 

In den 16 Minuten, die “Telstar” pro Erdumlauf von beiden Kontinenten aus zu erreichen war, übertrugen die USA eine Rede von John F. Kennedy gefolgt von Bildern der Niagara-Fälle, Cape Canaveral, von den berühmten Präsidentenköpfen bei Mount Rushmore und einer Darbietung von “Glory, Glory, Hallelujah”, gesungen von einem 350-köpfigen Mormonenchor. Europa revanchierte sich mit europäischen Ikonen wie dem Pariser Louvre, Big Ben, der Spanischen Hofreitschule in Wien, einer italienischen Opernaufführung und Stahlarbeitern aus dem Ruhrgebiet. Die Live-Übertragungen wurden gefeiert wie Großereignisse und brachten die Zuschauer beider Kontinente für 16 Minuten näher zusammen. 

1963 war Telstar allerdings schon kaputt. Der mehr als 30 Millionen US-Dollar teure Kommunikationspionier fiel den Atombombenversuchen der USA in der Atmosphäre zum Opfer, die die empfindlichen Transistoren des Satellit zerstörten. Seitdem schweigt “Telstar 1” und wird in etwa 200 Jahren als Weltraumschrott verglühen.

Heute, knapp 60 Jahre später, umkreisen etwa 1800 aktive Satelliten unsere Erde. In den nächsten Jahren sollen 15.000 dazukommen. Ob Navigation, Wettervorhersage, Flugverkehr, Finanzmärkte oder Fernsehen: Satelliten übertragen Daten und Signale in unglaublicher Geschwindigkeit und sind aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Allein die Satellitenflotte des ASTRA Mutterkonzerns SES überträgt mehr als 8.200 TV-Sender an über eine Milliarde Menschen.