Wohnen auf der Brücke

Düsseldorfer Theodor-Heuss-Brücke könnte bald durch eine „Green Bridge“ ersetzt werden
Eine Vision, die begeistert

Mit einem Alter von 65 Jahren ist die Theodor-Heuss-Brücke die zweitälteste der Düsseldorfer Brücken. Statt sie zu sanieren, könnte an ihrer Stelle auch ein multifunktionales Ersatzbauwerk errichtet werden, um die beiden Rheinufer zu verbinden – Wohnraum auf der Brücke inklusive. Hier stellen wir Ihnen den visionären Initiatventwurf aus dem design.lab des Architekturbüros RKW Architektur + vor. 

Green Bridge: Viel mehr als nur eine Brücke

Bisher dient die Theodor-Heuss-Brücke nur einem einzigen Zweck. Sie schafft eine Verbindung von einem Ufer des Rheins zum anderen. Das Konzept der „Green Bridge“, welche die bisherige Brücke ersetzen könnte, steht hingegen für einen multifunktionalen Ansatz. Der motorisierte Verkehr würde in eine vierspurige Röhre verbannt werden und stattdessen Platz für einen Landschaftspark über dem Rhein mit Radschnellweg für nachhaltige Mobilität machen. Doch damit nicht genug: Das Bauwerk würde zudem jede Menge Wohnraum, Platz für Büroflächen und ein Hotel sowie neue Blickwinkel auf die Stadt bieten.

Neuer Lebensraum über dem Wasser

Als grünes Band würde die „Green Bridge“ Golzheim und die Niederkasseler Rheinweisen zu einem Landschaftspark im Herzen Düsseldorf verbinden. Radfahrer könnten den Rhein auf einem Radweg mitten durchs Grüne überqueren. Außerdem soll es in dieser grünen Oase Spiel- und Grillplätze mit Aussicht auf die Stadtsilhouette geben. Kioske und Cafés würden für die gastronomische Versorgung und Aufenthaltsqualität sorgen, auch Urban Gardening- oder Farming-Projekte sind denkbar. 

Rund 400 Wohneinheiten, vom Mini-Apartment bis zur Maisonette-Wohnung, könnten auf der neuen Brückenkonstruktion untergebracht werden – öffentlich geförderter und freifinanzierter Wohnraum dicht nebeneinander, sodass lebendige, generationenübergreifende Nachbarschaften ganz nah am sowie direkt über dem Wasser entstehen.

Zum Nutzungsmix der Brücke könnten aber noch weitere Elemente wie ein Hotel mit rund 350 Zimmern inklusive Spa und Panoramarestaurant oder außergewöhnliche Arbeitsumgebungen gehören, für die bis zu 14.000 Quadratmeter Fläche geplant sind. Die Brückenfüße sind als Mobility Hubs konzipiert. Hier soll es Ladestationen für E-Autos und -Fahrräder, außerdem Carsharing-Stationen und einen Fahrradverleih geben, ergänzt von zusätzlichen Shopping- und Gastronomieangeboten.

Nachhaltig konzipiert, effizient konstruiert

Die Klimaziele der Stadt Düsseldorf fest im Blick, soll das Bauwerk laut RKW Architektur + einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten. So könnten im Mittelteil der „Green Bridge“ beispielsweise Windturbinen installiert werden, die die natürliche Windschneise des Flusses zur Energieerzeugung nutzen. Auch große Flächen mit Photovoltaikanlagen in den oberen Tragkonstruktionen könnten der Stromerzeugung dienen, die Versorgung aller 400 Wohnungen mit superschnellem Internet und linearem Fernsehen könnte mittels einer Kombination aus Glasfaser und optischem SAT-Direktempfang mit geringem Stromverbrauch und einer einzigen Empfangsanlage erfolgen. Für optimalen Schallschutz in der Nachbarschaft würde die Verlegung des Straßenverkehrs in die Röhre sorgen. 

Errichtet werden soll die Brücke übrigens aus Stahlfertigteilen, was Effizienzvorteile bieten und obendrein einen schnellen Bauablauf ermöglichen würde. Zwischen den beiden massiven Auflagern mit den Hochpunkten auf beiden Uferseiten würde die Konstruktion sanft über die gesamte Länge von mehr als 1,5 Kilometer schwingen – mit einer Maximalbreite von circa 65 Metern und einer Maximalhöhe von rund 47 Metern über dem Straßenniveau. Die Durchfahrtshöhe für den Schiffsverkehr bliebe wie bisher uneingeschränkt.

Entscheidung über Zukunft der Theodor-Heuss-Brücke steht noch aus

Ob der visionäre Entwurf einer „Green Bridge“ tatsächlich einmal umgesetzt wird, steht noch in den Sternen. Die Stadt Düsseldorf will die Öffentlichkeit bei der Zukunftsstrategie für die Theodor-Heuss-Brücke jedoch intensiv mit einbinden und plant dafür u.a. eine interaktive Website. Mit einer finalen Entscheidung pro Sanierung beziehungsweise den Umfang des (Teil-)Neubaus ist allerdings erst Mitte des Jahrzehnts zu rechnen. Bleibt zu hoffen, dass das Konzept der „Green Bridge“ sich durchsetzt – wenn nicht in Düsseldorf, dann ja vielleicht in einer anderen Metropole.
 

Entwurf: RKW Architektur +, Visualisierung: Formtool